»Guten Tag, guten Tag, meine gnädigen Herren!« ſagte der Alte in ſeiner ſcharf betonten jüdiſchen Mund⸗ art;„darf ich hinein kommen? Ich habe das Glück in der Taſche, zehntauſend, zwanzigtauſend, hunderttauſend Thaler, und ich geb's Ihnen ſo gern und noch lieber, wie jedem Andern. Greifen Sie zu! Es iſt die höchſte Zeit, und die Gelegenheit kommt vielleicht nicht wieder ſo gut in Ihrem ganzen Leben!«
„Geſchwätz, Jude!« unterbrach ihn Richard ein wenig barſch.„Was willſt du eigentlich?«
»Hab' ich doch gerade noch zwei ganze Viertel zur Lotterie fünfter Klaſſe, wo morgen der letzte Tag der Ziehung iſt!« ſagte der Jude, und ſchlüpfte vollends zur Thuͤr herein.„Sehen Sie her, 10217 und 11714, die letzten, die mir noch übrig ſind! Und Sie wiſſen voch, daß die letzten immer ſind die beſten! Greifen Sie zu, eh's wird zu ſpät! Morgen iſt der letzte Tag, wo wird gezogen, und ſind noch nicht heraus die zweimalhunderttauſend, und die hunderttauſend, und drei Mal die zwanzigtauſend, gar nicht zu rechnen die vielen kleinen Gewinne, wovor Sie Gott ſoll bewahren; wovon Sie ſollen gewinnen den größten! Und wer wird ihn gewinnen? Sie werden gewinnen! Sind's doch die letzten Nummern, die mir ſind übrig geblie⸗ ben! Ich ſag' Ihnen, greifen Sie zu und kriegen Sie die Fortuna beim Schopf' eh' ſie vorbeifliegt, wie'n Woͤlkchen am Himmel!«
Während dieſes Wortſchwalles, der in ununter⸗ brochener Folge von ſeinen Lippen ſtrömte, hatte er die beiden Lotterie⸗Looſe aus ſeiner ſchmutzigen ledernen Brieftaſche gezogen, und hielt ſie abwechſeld Georg und.,
Richard dicht vor die Naſe. Georg wendete ſich unz.


