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denn er wußte wohl, daß Georg trotz aller Weigerung darauf beſtehen würde.
„Nun denn, du biſt eben die alte treue Seele!“« ſagte er.„Ich danke dir! Wenn mir das Glück ein Mal lächelt, gleichen wir unſere Rechnung aus. Wenn nicht,— nun, ſo bleibt's eben beim Alten.“
»„Das Glück wird dir lächeln, wenn du nur muthig, ſtandhaft und ausdauernd biſt,« entgegnete Georg.„Bei deinen Talenten und Kenntniſſen müßte es wunderlich kommen, wenn du nicht raſch deinen Weg aufwärts machteſt.«
„Ja, wenn dieſe Talente und Kenntniſſe, die du mir ſo freigebig zuerkennſt, nur ein wenig vergoldet wären!“ ſeufzte Richard.„Aber arme Schlucker, wie wir, müſſen immer darauf gefaßt ſein, zurückgeſetzt und vernachläſſigt zu werden. Das iſt einmal ſo der Lauf der Welt. Goldene Brücken führen am ſchnellſten zum Ziele!“«
»Auch Fleiß und Berufstreue ſind goldene Brücken, Richard,“ ſagte Georg tröſtend.„Ich wenigſtens hege dieſe feſte Ueberzeugung, und hoffe zuverſichtlich, unſer ferneres Leben wird ſie zu einer ſchönen Wahrheit machen.“*
Richard ſchien nicht übel Luſt zu haben, gegen dieſe Behauptung Widerſpruch einzulegen, jedoch ein aber⸗ maliges Pochen an der Thüre verhinderte ihn daran. Ehe noch Georg herein rufen konnte, wurde ſchon aufgeklinkt, und durch die halb geöffnete Thür blickte ein altes, bärtiges Judengeſicht herein, und nickte den beiden jungen Leuten in der vertraulichſten Weiſe zu, als ob ſie alte Bekannte von ihm wären. Und doch
(hatte noch Keiner von ihnen dieſes Geſicht je geſehen.
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