Druckschrift 
Das große Loos : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

genug an, erwiederte Richard ſorglos.Möchten alle Tage bis zum letzten ihm gleichen!

Du willſt nicht verſtehen, was ich andeute, ent⸗ gegnete Georg.Es iſt heute ein ſchwerer Tag für uns, Richard! Wir müſſen die Miethe und unſere alte Aufwärterin bezahlen, und außerdem noch für die letzten Wochen unſeren Mittagstiſch berichtigen. Das koſtet einen Haufen Geld, und ich weiß wirklich nicht, ob unſere Kaſſe die nothwendigen Ausgaben noch decken wird. Wie viel Geld haſt du noch, Richard?

Ich? Ach du meine Güte! ſeufzte Richard und zog ein kläglich⸗komiſches Geſicht.Ich fürchte, wenn du mich auf den Kopf ſtellſt, und recht tüchtig ſchüt⸗ teelſt, ſo fallen keine zwei Thaler aus meinen ſämmt⸗ lichen Taſchen.

Ich hoffe, du machſt nur Scherz! ſagte Georg v ſichtlich erſchrocken.Noch vorgeſtern hatteſt du ja einen ganz neuen Zehnthaler⸗Schein!

Ja hatte! Leider hatte, Georg! Er gehört der Vergangenheit an! Geſtern die Spazierfahrt mit mei⸗ nen neuen Herrn Collegen, den friſch gebackenen Re⸗ ferendarien, gab meinem Reichthum den Todesſtoß! Aber was thut's? So viel ich weiß, haſt ja Du noch Geld!«

Nur nicht genug, fürchte ich, um noch acht Tage zu leben, wenn unſere Schulden bezahlt ſind,« entgeg⸗ nete Georg.Ach Richard, wie leichtſinnig biſt du!«

»Sage das nicht! Es ging ja nicht anders, Bru⸗ derherz! erwiederte Richard.Ausſchließen konnte ich mich nicht, zu knickern verbot der Anſtand, und alſo geſchehen iſt geſchehen, alte Seele! Klagen nützt nicht, zählen wir lieber unſere Schätze und rechnen wir.