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Oh, ich Schurke, ich gewiſſenloſer! Ich Rabenvater!
Ich Glücksmörder von Weib und Kind!“ So tobte er und ſchrie und rang die Hände und verwünſchte ſich ſelbſt und ſeine ſtrafbare Nachläſſigkeit. Es war grau⸗ ſig anzuſehen und anzuhören, dieſes traurige Schauſpiel eines Familien⸗Vaters, der ſterbend keine Ruhe in ſei⸗ nem Gewiſſen zu finden vermochte! Grauenhaft, ſag' ich, war es! Grauenhaft! Ach, wie ſo ganz anders war es, als ich am Sterbelager des armen Amtsboten Wagner ſtand! Dort die gräßliche Verzweiflung,— hier die friedliche, ja freudige Ergebung in den Willen Gottes, bewirkt und getragen durch das gute Bewußt⸗ ſein, eine heilige Pflicht erfüllt und zu rechter Zeit für das Wohl der Seinigen geſorgt zu haben. Welch ein
Unterſchied! Welch ein Gegenſatz! Ja, glauben Sie
mir, beſter Canzleirath, wenn die Menſchen auf dem Sterbebette liegen, dann erkennt man erſt recht, was dem Tode den Stachel benimmt und ihn leicht macht: es iſt das Bewußtſein treulicher Pflichterfül⸗ lung! Nichts Anderes kann ſo leicht über die Schrecken der leiblichen Vernichtung hinwegführen!“ 3 Der Canzleirath war tief bewegt, ja, bis in's In⸗ nerſte hinein, durch und durch erſchüttert. Er malte ſich das ſchreckliche Ende des unglücklichen Meyerheim
aus, und ſein Herz erbebte, wenn er an das dereinſtige
ſeinige dachte. Was hatte denn er gethan, um die Sorge von dem Leben der Seinigen zu bannen? Die geringen Summen, die er für ſie erſpart hatte, waren in Folge eines größeren Unglücks verſchlungen worden, und, wenn das auch nicht geſchehen wäre,— jetzt ſah er ein, daß ſie ſeiner Familie— nichts, oder doch faſt Lebensverſicherung. 86


