Zügen ausprägte. Er ſah nicht aus, wie ein Verſtor⸗ bener, ſondern wie ein Schlafender, der einen ſüßen, herrlichen Traum träumt. Wenn nicht die Todtenbläſſe des Geſichtes geweſen wäre, ich hätte geglaubt, er lebe noch!“
„Und ſeine Frau?“« fragte nach einer kleinen Pauſe abermaligen ſtillen Nachdenkens die Frau Canzleiräthin. „Wie erträgt Sie ihren ſchweren Verluſt?“
„Wie ihn eine rechtſchaffene, gottesfürchtige Frau ertragen muß,“ verſetzte der Amtsdiener.„Man ſieht ihr freilich den tiefen, ſtillen Schmerz in den leidenden Zügen an, aber ſie jammert und ſchreit und heult nicht, ſondern faßt ſich in Geduld und in chriſtlich frommer Ergebung. Auch der Wilhelm, ihr Sohn, benimmt ſich zum Bewundern gut. Er iſt doch noch ein halbes Kind, wenn man aber hört, wie verſtändig er mit der Mutter ſpricht, und ein jedes Wort aus ſeinem Munde ſo tröſtlich und faſt erbaulich klingt, ſo muß man Reſpect vor ihm haben.“
„Ja er iſt ein vortrefflicher und ausgezeichneter Knabe, ich kenne ihn,“ ſagte der Canzleirath.„Er wird ſeinem braven Vater einmal alle Ehre machen, das bin ich feſt überzeugt. Aber nun genug von den traurigen Ereigniſſen, das wir nun leider einmal nicht ändern können. Was bringt Ihr mir von der Canzlei?“
—— Wochen und Monate vergingen, der grimmige Winter mußte, wenn auch langſam und widerwillig, dem milden Wehen und Walten des Frühlings weichen; das Eis ſchwand von den Fluüſſen und Bächen; der Schnee ſchmolz unter den immer eindringlicheren Strah⸗ len der Sonne und dem warmen Hauche der Südweſt⸗ Winde, erſt in den Ebenen auf Wieſen und Feldern,
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