Druckschrift 
Die Lebensversicherung : Eine ernste Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Sie für den guten Rath, den Sie mir damals gaben, lieber Herr!

Der Canzleirath wendete ſich ab, denn er ſchämte ſich, die Verwirrung ſehen zu laſſen, die ſich in ſeinen Geſichtszügen abſpiegelte. Jedes Wort des ſterbenden Mannes traf ſein Herz, wie ein Dolchſtich. So hatte dieſer gehandelt, ein ſchlichter, einfacher Mann, aber ein ſorgſamer und zärtlicher Familien⸗Vater. Wie da⸗ gegen hatte er ſelber gehandelt, der doch durch Ein⸗ ſicht und Kenntniſſe Jenen weit überragte? Eine Fluth bitterer Selbſtvorwürfe ſtürmte auf ihn ein, und er war froh, als bald darauf der Eintritt des Arztes dieſem peinlichen Zuſtande ein Ende machte, und ſeinen Ge⸗ danken eine andere Richtung gab.

Der Arzt unterſuchte den Kranken ſorgfältig, ver⸗ band ſeine durch den Sturz in die Tiefe herbeigeführ⸗ ten Wunden und Quetſchungen, und ordnete vor Allem Ruhe und Stille an. Als der Canzleirath ihn auf die Seite zog und fragte, ob Hoffnung auf Geneſung vor⸗ handen ſei, zuckte er die Achſeln.

Gott kann Wunder thun,« verſetzte er,aber menſchliche Kraft und menſchliches Wiſſen iſt in dieſem Falle ohnmächtig!

Der Canzleirath nahm Abſchied von der unglückli⸗ chen Familie, und begleitete den Arzt noch ein Stuͤckchen Weges, um Räheres über den Zuſtand des Amtsboten zu erfahren. Der Doctor machte ihm kein Hehl daraus, daß, nach ſeiner Anſicht, der Kranke die nächſte Nacht nicht überleben wuͤrde, weil die Erſchütterung des Stur⸗ zes zu gewaltig geweſen ſei. Mitleidig und theilneh⸗ mend vernahm der Canzleirath dieſes Urtheil des erfah⸗ renen Arztes, und während des ganzen Tages beherrſchte