Fenſterſcheiben, daß ſie klirrten. Plötzlich aber heiterte ſich ſeine finſtere Miene auf, die Runzeln verſchwanden von ſeiner Stirn, und ein Blitz der Freude ſtrahlte aus ſeinem Auge.
„Da kommt unſer alter Freund, der Agent Kluge, grade die Straße herauf!« rief er aus.„Das iſt, wie gerufen! Es koſtet mich nur ein Wort an ihn, und wir ſind augenblicklich der kleinen Verlegenheit über⸗ hoben.“
Er öffnete ſchnell ein Fenſter und winkte.
„Er kommt,“ ſagte er dann, indem er das Fenſter wieder zuwarf, und ſich wieder an ſeine Frau wendete. „Und du willſt von ihm borgen?“ fragte dieſe.
„Nun ja,“ antwortete er, ein wenig verlegen.„Nur zwanzig Thaler auf kurze Zeit. Du weißt ja, in drei Wochen iſt mein Gehalt wieder fällig, und dann zahl' ich mit Dank das kleine Darlehn zurück. Du ſiehſt doch ſelbſt, daß wir uns für den Augenblick nicht an⸗ ders helfen können.“
Jetzt war es an der Frau Räthin, die Achſeln zu zucken, aber ſie unterdrückte jede Bemerkung, weil die Schritte des herzu gerufenen Agenten bereits auf dem Vorſaale vernehmbar wurden. Unmittelbar trat Herr Kluge ſelbſt in das Zimmer, und grüßte in vertrauter, freundſchaftlicher Weiſe.
Herr Kluge war ein kleines, bewegliches Männchen mit einem geſcheuten Geſicht und lebhaften Augen, aus denen Herzensgüte, mit Klugheit gepaart, deutlich her⸗ vorleuchtete. Er galt für einen wohlhabenden Mann, hatte ein offenes, blühendes Geſchäft in einer der ſchön⸗ ſten Lagen der Stadt, und beſorgte nebenbei noch Agen⸗ zurgeſchäfte für verſchiedene gemeinnützige Anſtalten und


