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Ein Königssohn : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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neben das Bett des Prinzen. Aus Furcht aber, ihm läſtig zu fallen und ihn aufzuregen, ſprach er nicht.

Der Prinz fing nie eine Unterhaltung an, und folg⸗ lich ſagte auch er eben ſo wenig etwas, aber er richtete auf ſeinen Aufſeher einen tief traurigen Blick.

Wie unglücklich bin ich, Sie ſo leiden zu ſehen! ſagte Gomin jetzt zu ihm.

Tröſten Sie ſich, antwortete das Kind mit ſanf⸗

ter Stimme,ich werde nicht immer leiden.

Gomin kniete neben ſeinem Bette nieder, um ihm näher zu ſein. Der liebenswürdige Knabe ergriff ſeine Hand und führte ſie an ſeine Lippen. Das treue Herz Gomin's zerſchmolz in einem heißen Gebete, eines jener Gebete, welche der tiefſte Schmerz dem Menſchen ein⸗ flößt, und welche die Liebe zu dem allbarmherzigen Gotte emporſendet. Der Knabe ließ die treue Hand, die er umſchloß, nicht wieder los, und während Gomin für ihn betete, erhob er ſeinen Blick zum Himmel. Es iſt unmöglich auszudrücken, wie viel Heiliges und Engel⸗ haftes in dieſem letzten Blicke des Kindes lag.

Gomin, welcher den Knaben ruhig, unbeweglich und ſtumm ſah, ſprach zu ihm:Ich hoffe, daß Sie in die⸗ ſem Augenblicke nicht leiden?

O ja, ich leide noch,« erwiederte der Prinz flͤſternd, aber viel weniger; die Muſik iſt ſo ſchön!«

Nun wurde aber in dieſem feierlichen Augenblicke weder in dem Thurme noch in der Umgebung deſſelben Muſik gemacht; kein Geräuſch irgend einer Art drang von außen in das Zimmer, wo die Seele des kleinen Märtyrers dem Erlöſchen nahe war.

Gomin fragte ihn daher ganz erſtaunt:Von wel⸗ cher Seite hören Sie dieſe Muſik?«