25
Eine Stunde verging— die Uebrigen kamen nicht. Endlich ſtieg Madame Eliſabeth in den Wagen, und eine halbe Stunde ſpäter eilte der König herbei. Die Königin folgte ihm in geringer Entfernung, aber plötzlich ſah ſie abermals den Wagen des immer wachſamen Lafayette kommen, und eilte in der Furcht von ihm erkannt zu werden, in eine der ihr zunächſt liegenden engen Straßen hinein. In dem Labyrinthe dieſer Gäßchen verirrte ſie ſich, wagte, ſo nahe den Tuilerien, Niemand nach dem rechten Wege zu fragen, und verlor auf dieſe Weiſe eine koſtbare halbe Stunde Zeit, bis ſie endlich von Einem der Vertrauten ge⸗ funden und an den bezeichneten Platz geleitet wurde.
Ohne Unfall erreichte man nun die neue Barriere der Vorſtadt St. Martin, wo man den Reiſewagen in Bereitſchaft finden ſollte. Er war wirklich, mit fünf kräftigen Roſſen beſpannt, an Ort und Stelle, obgleich er zwei volle Stunden über die beſtimmte Zeit hatte warten müſſen.
Es war die kürzeſte Nacht des Jahres, und ſchon dämmerte der erſte Morgenſchimmer, als kurz nach zwei Uhr der Wagen mit der königlichen Familie heran⸗ raſſelte. Man ſtieg ſogleich in den harrenden Reiſe⸗ wagen, und Herr von Ferſen ſchwang ſich auf den Bock, wo er neben ſeinem Kutſcher, Balthaſar Sapel, Platz nahm.
„Allons, friſch!« ſagte er zu ihm.„Fahre ſchnell!«
Es ging vorwärts. Die Rollen waren in folgender Weiſe vertheilt: Frau von Tourzel führte den Namen einer Baroneſſe von Korff; die Prinzeſſin und der kleine Dauphin galten für ihre Töchter Amalie und Aglan; die Königin für die Gouvernante der Kinder,


