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Ein Königssohn : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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wohnten Stunde zu Nacht geſpeiſt hatten, zogen ſich Alle in ihre Zimmer zurück. Der Dauphin hatte ſich um neun Uhr, die Prinzeſſin, ſeine Schweſter um zehn Uhr, die Königin um halb elf, der König zwanzig Minuten nach elf Uhr zu Bette begeben. Den Dienern waren die nöthig ſcheinenden Befehle für den folgenden Morgen ertheilt; die Thüren waren verſchloſſen; die Wächter außen hatten ihre gewöhnlichen Vorſichts⸗ maßregeln genommen, und an einigen Punkten, nament⸗ lich an der Thuͤr der Madame Eliſabeth, des Königs Schweſter, die Wachtpoſten verdoppelt.

Kaum aber hatten ſich die dienſtthuenden Perſonen zurückgezogen, als der König, die Königin und Madame Eliſabeth leiſe wieder aufſtanden, raſch ſich ankleideten und nach wenigen Augenblicken ſchon zur Abreiſe bereit waren. Die Koͤnigin ging in das Zimmer ihrer Tochter, weckte ſie ſelbſt und ihre Kammerfrau, Madame Brunier, theilte der Letzteren ſchnell den Fluchtplan mit, ſagte ihr, ſie und Frau von Neuville ſeien bezeichnet, ſie zu begleiten, und befahl ihr endlich, ſchnell die Prinzeſſin anzukleiden und ſie dann in das Zimmer des Dauphin zu fuͤhren. Das Kleid lag ſchon bereit; es war von billigem braunen Zeuche und ſehr ein⸗ fachem Schnitte, damit man den hohen Stand der Flüchtlinge nicht erkennen ſollte.

Den kleinen Prinzen verkleidete man als Mäd⸗ chen, in welcher Tracht er äußerſt anmuthig ausſah. Aber um elf Uhr in der Nacht aus dem erſten Schlafe gerüttelt, begriff er nichts von Allem, was um ihn her vorging, und verfiel ſogleich wieder in Schlummer, ins dem erſt ſeine Schweſter ihn von Neuem auf⸗ weckte.