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von Paris entfernen dürfe, und daß er, wenn er das
Reich verlaſſe, und auf die Einladung der National⸗ Verſammlung nicht zurückkehre, des Thrones verluſtig ſein ſolle.
Trotz dieſer Verordnung entſchloß ſich der König zu einer Reiſe nach St. Cloud. Um elf Uhr Morgens ſtieg er mit ſeiner Familie in den Wagen, welcher aber ſogleich von einer zahlloſen Menge Menſchen umringt wurde. Ein Haufen meuteriſcher Soldaten verſchloß die Thore des Schloßes, ſtürzte ſich ſchreiend und drohend auf den Wagen, und richtete das Bayonet auf die Bruſt der Pferde. Vergebens ſuchte Lafayette den Aufſtand zu beſchwichtigen, und der König ſah ſich endlich gezwungen, in ſeine Gemächer zurückzukehren, nachdem er volle zwei Stunden mitten unter groben Beſchimpfungen in fortdauerndem Streite und Wort⸗ wechſel zugebracht hatte. 8
Der kleine Dauphin, welcher ſich auf die Reiſe gefreut und ſchon tauſend Pläne der Beluſtigung für die Zeit ſeines Aufenthaltes in Saint Cloud ent⸗ worfen hatte, war über die Vereitelung ſeiner Hoff⸗ nungen ſehr betrübt. Um ihn in ſeinem Kummer zu zerſtreuen, gab ihm der Abbé Davaur, als er in ſein Kabinet eintrat, einen Band des Kinderfreundes von Berquin. Der junge Prinz öffnete denſelben auf Gerathewohl und rief ganz erſtaunt aus:„Sehen Sie nur, Herr Abbés, das eigenthümliche Zuſammen⸗ treffen! Sehen Sie dieſen Titel! Wie ſonderbar! Der kleine Gefangene!“
Der Prinz hatte es nur zu richtig getroffen, indem er den Titel, der kleine Gefangene, auf ſeine eigene Lage anwendete. Er ſowohl wie ſeine Aeltern waren


