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Ein Königssohn : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
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daß tauſend und aber tauſend Herzen heimlich gelobten, nimmer zu wanken in der Liebe und Treue zu dieſem Kinde, welches für Alle nichts als Segenswünſche im Buſen trug. Der König und die Koͤnigin um⸗ armten einander, in Vieler, Vieler Augen perlten Thränen, und eine allgemeine Verſöhnung ſchien für immer den Abgrund der Revolution ſchließen zu wollen, welche das unglückliche Frankreich zu verſchlingen gedrohet hatte.

Das waren noch ſonnige Tage! Aber ach, es

ſollten die letzten ſein, welche dem rechtſchaffenen

Könige und ſeiner Freundin lächelten. Das Verhängniß hatte ihre Häupter dem Unglücke geweihet und das Unheil ſchreitet ſchnell.«

Zweites Kapitel.

Die Uacht von Varennes.

Bald nach der Feier des allgemeinen Bundes⸗ feſtes erhob die nur für kurze Zeit in den Staub gebeugte Hydra der Revolution wieder ihr giftge⸗ ſchwollenes Haupt. Die böſen Geiſter Frankreichs, die Robespierre, Marat und Danton wetteiferten mit einander, den mühſam errungenen Frieden des Landes zu ſtören und durch Verläumdung des Königs Haß und Mißtrauen gegen denſelben im Volke zu ſaͤen.

Es gelang ihnen nur zu gut. Die National⸗Ver⸗ ſammlung erließ eine Verordnung des unerhörten Inhalts, daß der König ſich nicht uͤber zwanzig Stunden

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Ein Königsſohn.