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Frankreichs eingeſegnet hatte, ſtieg zuerſt Lafayette hinan, und ſchwor, mit der Fahne von Paris in der
Hand, im Namen aller Nationalgarden und Soldaten des Reiches, der Nation, dem Geſetz und dem Könige Treue; dann leiſtete der Präſident der National⸗Ver⸗ ſammlung, von ſeinem Stuhle zur Rechten des Königs aufſtehend denſelben Eid, und endlich erhob ſich auch
der König, und ſchwor mit ausgeſtrecktem Arme, alle Macht, die ihm durch das Geſetz und die neue Ver⸗ faſſung übertragen worden ſei, zu Erhaltung dieſer Ver⸗
faſſung anwenden zu wollen.
In dieſem Augenblicke, als die Kanonen donnerten und laute Fanfaren ſchmetterten, ertönten plötzlich von allen Seiten laute Freudenrufe. Die Königin nämlich, welche ſich auf einer Tribüne über dem Throne be⸗ fand, hob, fortgeriſſen von der Gewalt des Augenblickes,
ihren Sohn, den Dauphin mit ihren eigenen Armen in die Höhe, um ihn dem Volke zu zeigen und auch ihn an dem allgemeinen Eide Theil nehmen zu laſſen; — und das reizende, lächelnde, von Freude ſtrahlende Kind ſtreckte ſeine unſchuldigen Arme aus, als wolle es alle Segnungen des Himmels auf Frankreich herab⸗ flehen. Das verſammelte Volk ſah dieſen bezauberten An⸗ blick, und Ein Jubelſchrei, Ein Jauchzen, Ein Freuden⸗
ruf drang durch die zerriſſenen Wolken zum Himmel 1 empor. Die Geſandten des Volkes aus den Provinzen drängten ſich, von Liebe und Enthuſtasmus erfüllt um 3
den kleinen Dauphin und brachten ihm die herzlichſten Ehrenbezeigungen dar. Und der Prinz nahm ſie mi einer ſolchen Anmuth und kindlichen Würde auf, die Begeiſterung immer von Neuem aufflammte,


