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Ein Königssohn : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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er von ſeiner ihm wiedergegebenen Freiheit machte,

beſtand darin, daß er in den Garten ging, um die

Flöte aus ihrem Verſteck zu holen, und ſie mit einer Bitte um Verzeihung ſeinem Spielkameraden wieder zuzuſtellen. Ein freundlicher Blick, eine zärtliche Liebe koſung ſeiner Mutter war der Lohn für ſeine Selbſt⸗ überwindung, und dieſer Beweis, daß ihm verziehen worden ſei, ſtimmte den Prinzen ſo heiter und glück⸗

lich, daß er ſich während des übrigen Tages als der

artigſte und liebenswurdigſte Knabe zeigte und nicht die mindeſte Veranlaſſung zu einem Worte oder nur einer Geberde des Tadels gab.

Wenige Tage ſpäter, am 14ten Juli 1790, wurde auf dem Marsfelde zu Paris, wie in allen Städten Frankreichs, das große Feſt der neuen Ordnung gefeiert. Die Stürme der im Jahre vorher ausgebrochenen Re⸗ volution ſchienen mit dieſem Feſte ihr Ende erreichen zu ſollen, und alle Stände, ſelbſt die Gegner der neuen Ordnung waren von Rührung und hoffnungsvoller Theil⸗ nahme ergriffen. Alles ohne Unterſchied des Standes und Geſchlechts hatte bereits an Vollendung der rings um den Platz angelegten Erhöhung geholfen, und ſich bei dieſer Arbeit wie Glieder einer großen Familie be⸗ handelt. Selbſt, als der lang beſprochene Feſttag mit ſtarken Regengüſſen begann, verloren weder das Volk⸗ noch deſſen Stellvertreter die Faſſung, die endloſen Aufzüge folgten einander in der beſten Ordnung, und endlich brach auch die Sonne ſiegreich durch Nebel und Regenwolken hindurch. Den hohen, unter freiem immel errichteten Altar, an welchem Talleyrand, der hof von Autun, mit ſechszig Prieſtern die Meſſe ſen und die Fahnen der dreiundachzig Bezirke