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wöhnlich ihre Lippen, diesmal nur ihre Wange zum Kuſſe hin. Prinz Ludwig Karl mit ſeinem feinen Ge⸗ fühl merkte auf der Stelle, daß da etwas nicht ganz in Ordnung war, und blickte ſeine Mutter ein wenig ſchüchtern und betreten an.
„Was hab' ich denn verbrochen, Mama?« fragte er.
„Ah, der junge Herr fühlt alſo ſchon ſein Gewiſſen,“ erwiederte die Konigin.„Kannſt du mir wohl ſagen, was du vorgeſtern auf der Terraſſe dem jungen Pagen, der dich begleitete, für einen muthwilligen Streich ge⸗ ſpielt haſt? Ich hoffe du wirſt es nicht läugnen wollen!«
Das zarte Geſicht des Prinzen wurde wie mit Purpur überhaucht, denn er erinnerte ſich ſehr wohl, auf was ſeine Mutter anſpielte. Er hatte vorgeſtern bei einem Spaziergange ſeinem Begleiter heimlich eine Flöte aus der Taſche genommen, und ſie in einem Tarusbaume auf der Terraſſe verſteckt. Stammelnd bekannte er ſein kleines Vergehen.
„Gut denn,“ ſprach die Königin,„dein reuiges Ge⸗ ſtändniß mindert in etwas deine Schuld, aber dennoch dürfen ſolche Streiche nicht hingehen, ohne beſtraft zu werden. Den neuernannten Oberſt des Regiments ‚Dauphin“ darf man freilich nicht einſperren; aber man hole Mouflet! Mouflet iſt bei dem Spaziergange zu⸗ gegen geweſen, er iſt gewiſſermaßen der Mitſchuldige ſeines Herrn, und da dieſer nicht geſtraft werden darf, ſo muß Mouflet für ihn büßen. Man rufe Mouflet und ſperre ihn zwei Stunden in Arreſt!«
Mouflet war ein reizender kleiner Hund, welchen der Prinz beſonders liebte, und auf dieſe Zuneigung begründete die Königin die Art der Beſtrafung des Dauphin, da ſie wohl wußte, daß der Prinz eben ſo


