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aber das, was du thateſt, Karl, das war nur Unbe⸗ ſonnenheit und Unverſtand. Warte übrigens mein Kind, und rede nicht eher vom Ruhme als bis du im Stande biſt, die Geſchichte deiner Vorfahren und der franzöͤſi⸗ ſchen Helden zu leſen, welche wie Guesclin, Bayard, Türenne und Andere Frankreich und unſere Krone um den Preis ihres Blutes vertheidigt haben.«
Dieſe ſanfte und doch eindringliche Ermahnung machte einen tiefen Eindruck auf das Herz des jungen Prinzen. Er ergriff die Hand ſeines Vaters, drückte einen Kuß darauf und ſagte mit leiſer Stimme: »Wohlan, mein lieber Papa, ich werde von jetzt an meinen Ruhm darin ſuchen, Ihren Rathſchlägen zu folgen und Ihnen zu gehorchen.“
»Nun denn, ſo ſind wir wieder gute Freunde,“ er⸗ wiederte der König,—„und nun wollen wir geſchwind deine Hefte nachſehen, damit Herr Hue und Herr Davaur mit dir zufrieden ſein können.“
Der König nicht minder wie die Königin bemerkte mit wahrem Glücke die guten Anlagen ſeines Sohnes, und viel Vergnügen gewährte es ihm, ſeinen Lehr⸗ ſtunden beizuwohnen und, wie etwa jetzt, ſeine Hefte und Schreibebücher durchzuſehen. Häufig unterrichtete er ihn auch ſelbſt, und ermunterte ihn durch ſeinen
Tadel und ſeine Lobſprüche zum Fleiße, zur Aufmerk⸗
ſamkeit und zum Nachdenken über das, was er ſeinem Gedächtniſſe einprägte. Im Verein mit ſeiner Ge⸗ mahlin leitete er die Erziehung des jungen Prinzen, und folgte dieſer, ſeinem Herzen ſo lieben Gewohnheit auch dann noch, als er ſeines Thrones beraubt, in ſpäterer Zeit einen düſteren Kerker bewohnen mußte.
Der Abbé Davaux kam, und die gewöhnlichen


