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komponirt hatte, und bemerkte mit Vergnügen, daß ſein Ohr für den Reiz der Melodie ſehr empfänglich war. Dann las ſie ihm auch kleine hübſche Erzählungen, Fabeln und moraliſche Geſchichten vor, welchen der
A Prinz mit lebhafter Aufmerkſamkeit folgte. In ſeinen
belebten und geſpannten Zügen ſpiegelten ſich alle Eindrücke wieder, welche die kleinen Erzählungen auf ſeinen Geiſt hervorbrachten. Ausrufe der Verwunderung entflohen ihm bei Darſtellung von Begebenheiten, die ſein Verſtand ſogleich zu begreifen und zu faſſen ver⸗ mochte; bei Allem aber, was über ſeine Einſicht ging und ihm nicht ganz klar wurde, bewölkte ſich ſeine Stirn, und dann auf einmal folgten ſich hundert Fragen, die er alle beantwontet haben wollte, bis er begriffen hatte, um was es ſich handelte, worauf er dann endlich nicht ſelten ſeine Umgebungen durch eigen⸗ thümliche Bemerkungen und ſinnreiche Betrachtungen in Erſtaunen ſetzte, die keine geringen Hoffnungen auf die dereinſtige Zukunft des königlichen Kindes er⸗ weckten, Hoffnungen, die aber leider ſchon im Keime erſtickt werden ſollten.
Am heutigen Morgen, als der kleine Dauphin von der armen Frau, die er durch ſein Geſchenk beglückt hatte, zurückkehrte, kam er nur, um ſeiner Mutter noch einmal für das empfangene Goldſtück zu danken, und begab ſich hierauf zum Könige, um auch ihm ſeinen Morgengruß zu bringen.
2»Ei, ei, mein lieber Karl,“ ſagte dieſer, indem er
lächelnd dem Prinzen mit aufgehobenem Finger drohte, —„ err Hue hat mir ſeltfame Dinge von dir er⸗ zählt
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