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In einem Winkel des Gartens befand ſich ein kleiner ummauerter Raum, wo hübſche zahme Kaninchen vom Prinzen gehegt wurden, die er immer mit Ver⸗ gnügen betrachtete. Auf ſeinen Ruf kamen ſie ſchnell herbei, und mit freigebiger Hand ſpendete er ihnen die ſaftigen Kräuter und Kohlblätter, welche man zu dieſem Behufe ſchon bereit geſtellt hatte. Nach dieſer Ver⸗ ſorgung ſeiner kleinen Lieblinge wendete ſich der Dau⸗ phin nach dem Schloſſe zurück, um der Mutter ſeinen gewöhnlichen Morgenbeſuch abzuſtatten. Aber noch ein⸗ mal ſollte er aufgehalten werden.
Vor dem Gitter, das den Garten von der offenen
Straße ſchied, ſtand eine Frau, welche mit
ſehnſuchtsvollen Blicken der nzen betrachtete, aber es doch nicht wagte, ihn affzureden. Der Prinz be⸗ merkte indeß ſogleich, daß ſie etwas auf dem Herzen habe, und ſein freundliches Gemüth trieb ihn an, ſich ihr zu nähern.
„Was wünſcht Ihr, gute Frau?« fragte er ſanft. „Kann ich Euch in irgend etwas eine Gefälligkeit er⸗ zeigen?“
Die Frau brach in Thränen aus.„Oh, mein
krankes Kind, es iſt ein Knabe, mein Prinz, und faſt ſo groß als Sie, wird jetzt mit Schmerzen auf meine Rückkunft harren! Und dennoch zögere ich, denn es
müſſen!«
3 Wartet einen Augenblick, gute Frau,“ erwiederte nz, nachdem er ſie mit einem durchdringenden beſrachtet und ſich überzeugt hatte, daß ſie
Prinz!“ ſtammelte ſie.„Ich bin ſehr arm, und mein
betrübt mich, mit leeren Händen zu ihm kommen zu
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