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blauen Augen, die mit langen kaſtanienbraunen Wimpern 1 bedeckt waren, mit ſeiner breiten, ſchönen Stirn, ſeinen friſchen hochrothen Lippen, dem kleinen Grübchen im runden Kinn, und dem beinahe engelhaften Ausdrucke von kindlicher Gutmüthigkeit in den Linien ſeiner Züge, mußte man ſich geſtehen, daß man kaum einen lieb⸗ licheren Knaben, als dieſen, zu finden vermochte. Seine Geſtalt war fein und zierlich, ſein Gang voller Anmuth, ſeine Bewegungen voller Grazie und Lebhaftigkeit; in ſeinen Manieren und ſeiner Haltung hatte er etwas ausgeſucht Vornehmes, und eine gewiſſe Zutraulichkeit, welche Jeden für ihn einnahm, der ſich ihm näherte. Man bewunderte ſeine Schönheit, wenn man ihn ſah, und man mußte ihn lighen, ſobald man ihn ſprechen gehört hatte, denn. Worte zeugte von Wohl⸗ — wollen, Freundlichkeit und Höflichkeit gegen Alle, welche zu ſeiner Umgebung gehörten.
Und dieſer Knabe mit dem gefühlvollen Herzen, der Seele voll Güte, dem Adel des Gemüthes war Ludwig Karl, Dauphin von Frankreich, dem gewöhn⸗ lichen Laufe der Begebenheiten noch dazu beſtimmt, dereinſt eines der mächtigſten Reiche der Welt zu be⸗
herrſchen. Aber ach, wie traurig ſollte das Loos ſein, welches eine ſchreckenvolle Zukunft ihm aufbewahrte! Jetzt noch, zärtlich geliebt von ſeinen Eltern, dem un⸗ glücklichen Könige Ludwig dem Sechszehnten und der hochherzigen Marie Antoinete, umgeben von allem Glanze und aller Pracht des Königthums, umringt von jeglicher Sorgfalt, welche das leiſeſte rauhe Lüft⸗ chen von ihm abzuwehren ſuchte, jetzt noch verle ſonnige Tage in der ſorgloſen Unbewußtheit d heit;— aber ſchon thuͤrmten ſich die


