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Jung gewohnt, alt gethan : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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Kämme, Haarbürſten, Bücher und Halsbinden in trau⸗ lichem Vereine auf dem Fenſterſimſe durch einander? Wie?

Nein doch, nein, das iſt ja eben noch das größte Wunder!« rief Marianne in lebhaftem Eifer.Ich komme eben von oben herunter, habe die ſtrengſte Muſterung gehalten, und zu meinem Erſtaunen, zu meiner allerhöchſten Ueberraſchung die vollkommenſte Ordnung gefunden. In Schränken, in Kommoden, auf Tiſch und Sims, überall Ordnung. Die Wäſche auf das Sauberſte in die gehörigen Kaſten eingeräumt, an den Kleidern kein Stäubchen, jede Kleinigkeit, ſelbſt die geringſte am gehörigen Platze, nirgends eine Vernach⸗ läſſigung, eine Unordnung, eine Unſauberkeit. Es iſt ein Wunder, Valentin, ein wahres Wunder!

Nicht doch, liebe Schweſter, antwortete Herr Krempelhuber gutmüthig lächelnd, es iſt nichts weiter, als die natürliche Folge einer guten Lehre, die von einem empfänglichen Gemüthe aufgenommen wurde. Ich habe dir ja immer geſagt, daß ein guter Kern in unſerem Matthias ſteckt, nun denn, dieſer Kern fängt an ſich zu entwickeln und ſchießt in grünes Laub, in Blüthen und Früchte.

Aber wodurch haſt du dies bewirkt, Valentin? Ich kann es noch immer nicht begreifen und faſſen, Bruder!«

Ganz einfach durch Nachſicht, durch Güte, durch Liebe und Beiſpiel,« entgegnete Herr Krempelhuber. Du erinnerſt dich meines Spazierganges mit Matthias an jenem Sonntage. Nun denn, da habe ich dem jungen Menſchen meine Jugendgeſchichte erzählt, und er hat daraus gelernt, was das Sprichwort:Jung gewohnt, alt gethan, zu bedeuten hat.

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