„Ich weiß nicht, was mit unſerem Matthias vor⸗ gegangen iſt,“ ſagte ſie etliche Wochen ſpäter zu ihrem Bruder,—„er iſt ein ganz Anderer geworden, als er früher war.“
Und iſt dir die Veränderung willkommen oder nicht?« fragte Herr Krempelhuber lächelnd.
„Ei, du kannſt mir glauben, willkommen, ſehr will⸗ kommen iſt ſie mir,« erwiederte Marianne voller Eifer. „Bemerkſt du denn nicht ſelber, Bruder, daß ſeine alten kleinen Untugenden gar nicht mehr zum Vorſchein kom⸗ men? Nie ſieht man mehr einen Flecken auf ſeinen Kleidern, nie eine Nachläſſigkeit oder Unordnung in ſeinem Anzuge.“
»Das iſt wahr! Er gibt recht ſorgfältig auf ſich Achtung.“
»Und nicht nur auf ſich ſelbſt, ſondern auch auf Anderes,« fuhr Marianne fort.„Seit langer Zeit hat er nicht mehr meinen Teppich mit ungeputzten Stiefeln beſchmutzt, man ſieht keine Tinten⸗ und Fettflecke mehr wo er ſich aufgehalten hat, und ſelbſt Liſette, die Köchin, lobt ſeine Reinlichkeit und Ordnungsliebe.«
»Wie ich ſeinen Fleiß, ſeine Aufmerkſamkeit und ſeinen Eifer im Geſchäft loben muß,“ ſagte Herr Krem⸗ pelhuber lächelnd.„Er iſt mir eine rechte Stütze, liebe Schweſter, und ich bin überzeugt, er wird es immer mehr werden, je älter er wird. In ein paar Jahren kann ich ihm, ich zweifle gar nicht daran, die ganze Leitung der Geſchäfte anvertrauen, und mir ſelber mehr
Ruhe und Muße vergönnen. Aber wie ſieht's denn
in ſeiner Stube aus, Schweſter? Wirft er immer noch ſchmutzige Stiefeln und friſch gewaſchene Hemden in ein und denſelben Kaſten zuſammen? Liegen immer noch


