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„Ich nehme dein Gelöbniß an, Matthias, und ich weiß auch, daß du es halten wirſt, denn es ſteckt etwas in dir von deines braven Großvaters Art, was dir jede Schwierigkeit überwinden helfen wird. Nun aber ge⸗ nug! Die Sonne neigt ſich zum Untergange, und es iſt Zeit, daß wir den Heimweg antreten, ſonſt möchte meine Schweſter über unſer langes Ausbleiben beſorgt werden.“
Sie ſtanden auf, warfen noch einen bewundernden Blick auf die herrliche, im Glanze der untergehenden Sonne ſtrahlende Landſchaft, und ſchlugen langſam den Rückweg ein. Der Abend hatte ſich ſchon längſt dunkel auf die Erde niedergeſenkt, als ſie die Stadt erreichten und in das hell erleuchtete Wohnzimmer eintraten, aber Matthias' Antlitz glänzte noch wie verklärt, ſo daß Tante Marianne ihn verwundert anſchaute. Matthias bemerkte es nicht, denn er war in tiefes Nachdenken verſunken, aber Herr Krempelhuber winkte der Schwe⸗ ſter ſchnell zu, als ſie den jungen Menſchen anreden und ausfragen wollte.
»Ueberlaß ihn ſich ſelbſt, liebe Marianne,“ flüſterte er ihr leiſe in's Ohr.„Ich kann dir die Verſicherung geben, daß er bald aus ſeiner Träumerei aufwachen und daß ſie die beſten Folgen haben wird.“
Marianne fügte ſich, und der Abend verging ſtill und ruhig, bis man ſich mit der zehnten Stunde in die Schlafgemächer verfügte.
Herr Krempelhuber ſprach in der nächſten Zeit
nicht weiter mit der Schweſter über die Ergebniſſe ſeines
Spazierganges; Marianne ſelber aber ſtellte Beobach⸗ tungen an, welche ſie nicht wenig, und zwar ſehr an⸗ genehm uͤberraſchten.


