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Jung gewohnt, alt gethan : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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Sie mir dieſelbe dadurch, daß Sie Ihre guten Vor⸗ ſätze zur Wahrheit und Wirklichkeit werden laſſen..

Valentin verſprach dies nicht nur ſeinem Princi⸗ pal, ſondern auch ſich ſelbſt, und ich kann wohl ſagen, daß er ſein Verſprechen von da an gehalten hat. Seit jener Nacht der Verſuchung ging er nicht wieder in die Schlingen des Böſen, ſondern bemühete ſich, den letzten Sauerteig von den übeln Angewöhnungen ſeiner Jugend her gründlich auszurotten und zu vertilgen, und die beſſeren Gewohnheiten wieder zu pflegen, die er den guten Lehren und dem Beiſpiele des alten wacke⸗ ren Daniel verdankte. Standhaft verfolgte er den nun wieder eingeſchlagenen beſſeren Weg, und wenn je ein⸗ mal eine Verlockung ihm nahe trat, ſo brauchte er nur den ſchmalen Papierſtreifen mit ſeinem Namenszuge zu betrachten, um ſofort die wankenden Grundſätze wieder zu feſtigen. So gewöhnte er ſich von Neuem, und diesmal, durch Erfahrung endlich klug gemacht, ſorg⸗ fältiger und gründlicher als früher an Ordnung, Pünkt⸗ lichkeit, Sparſamkeit und Mäßigkeit, und nie wieder berührte er eines von jenen unglückſeligen, bunten Kar⸗ tenblättern, die ihn bis dicht an den Rand des Ver⸗ derbens geführt hatten. Er war von den Thorheiten ſeiner Jugend geheilt, und die noch zu rechter Zeit er⸗ worbenen guten Gewohnheiten begleiteten und beglückten ihn fortan, ſein ganzes Leben hindurch.

Und nun bin ich zu Ende mit meiner Erzählung, ſprach Herr Krempelhuber tief aufathmend, und blickte lächelnd auf Matthias, welcher ſehr ſtill und aufmerk⸗ ſam ihm zugehoͤrt hatte.Ich hoffe, daß ſie dich nicht gelangweilt hat. Matthias ſchüttelte mit einem dankbaren Blicke den