einmal, wo ich ihn unterbringen ſollte, ohne dich in deiner Bequemlichkeit zu beſchränken. Du biſt einmal an deine Zimmer gewöhnt, und müßteſt dich unbehag⸗ lich fühlen, wenn du eins davon räumen ſollteſt.“
„Daran denk' ich auch nicht,“ erwiederte der Bru⸗ der.„Aber wir haben ja da das kleine Giebelzimmer.
Wenn man es ein wenig herrichten ließe und ein paar Möͤbel hinein ſtellte, ſo möchte es zur Noth ſchon gehen. Der arme Knabe wird, benk' ich mir, nicht gerade ver⸗ wöhnt ſein.“
„Ja, ja, das ließe ſich allenfalls machen,“ erwie⸗ derte die Schweſter.„Doch du kennſt ihn nicht, ſeinen Charakter nicht! Wie nun, wenn er gar nicht zu uns paßte? Wenn er Untugenden an ſich hätte, wenn er zuordentlich, wohl gar unreinlich wäre? Du weißt ja, Bruder, wie peinlich uns Beiden das ſein würde. Du kannſt es ja nicht einmal leiden, wenn ich, deine Schweſter, in deinem Zimmer aufräume und nur das Geringſte von ſeinem gewöhnlichen Platze verrücke;— wie ſollte es werden, wenn der junge Menſch ein Leichtfuß, ein Wildfang wäre? Nein, nein, lieber Va⸗ lentin! Gib ihm Geld, unterſtütze ihn reichlich, thu⸗ ihn zu guten Leuten und laß ihn eine Schule beſuchen, — aber ihn in's Haus nehmen, dazu würde ich nim⸗ mermehr rathen, guter Bruder.“
„Geld wird ihm nimmermehr die verlorenen Ael⸗ tern erſetzen,“ erwiederte der Bruder kopfſchüttelnd. „Solch ein armer Burſch, der mutterſeelenallein in der Welt ſteht, bedarf vor Allem Liebe, Erziehung und Beiſpiel. Ich meine, Marianne, das letztere fände er wohl an uns, was Ordnung, Pünktlichkeit
und Reinlichkeit anbetrifft; an Liebe wird es meine


