einfach zubereitetes, kaltes Abendeſſen wurde aufgetra⸗ gen, und Marianne ſetzte ſich ihrem Bruder gegenüber, legte ihm vor und widmete ihm während des Eſſens eine fortwährende, zuvorkommende Aufmerkſamkeit, die ſich der Bruder, alter Gewohnheit gemäß, ruhig gefal⸗ len ließ und nur zuweilen durch einen freundlichen Blick vergalt. Sein mäßiger Appetit war indeß bald geſtillt, und nachdem er Meſſer und Gabel bei Seite gelegt hatte, lehnte er ſich in ſeinen Stuhl zurück,
blickte einige Augenblicke nachdenklich zu Boden, und
ſah dann plötzlich wieder ſeiner Schweſter voll und offen in's Geſicht..
„Marianne,“ ſagte er,„ich habe dir etwas mitzu⸗ theilen, und es iſt eben ſo gut, du erfährſt es ſchon heute, als morgen früh. Kurz und gut, wär' es dir ſehr unangenehm, wenn ich einen jungen Menſchen in unſer Haus nähme, und ihn zu unſerem Tiſchgenoſſen machte?“«
Marianne horchte hoch auf mit ſichtlicher Ueber⸗ raſchung, faſt erſchrocken..
„Einen jungen Menſchen? In unſer ſtilles Haus? An unſeren Tiſch?« wiederholte ſie mechaniſch, als ob ihre Seele den Sinn von ihres Bruders Worten nicht gleich zu faſſen vermöge.„Ich habe dich wohl nicht recht verſtanden, Valentin? Wie, die wir ſeit ſo vie⸗ len Jahren allein mit einander leben, wir ſollten einen Fremden zwiſchen uns, an unſern Herd aufnehmen?“
„Gerade ſo iſt es, wie du ſagſt,“ erwiederte ihr Bruder.„Der junge Menſch iſt eine Waiſe, ohne Vater und Mutter, ohne Verwandte.“
„Aber kennſt du ihn denn, Bruder? Haſt du ihn
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