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Jung gewohnt, alt gethan : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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man ſeine hellen klaren Augen betrachtete. Kleine Fal⸗

ten auf der Stirn und in den Augenwinkeln verrie⸗ then, daß nicht alle Stunden in ſeinem Leben ganz heiter und ſorgenfrei geweſen ſein konnten. Aber das war jetzt Alles überwunden; des alten Herrn Geſicht hatte jetzt unverkennbar und entſcheidend den Ausdruck des Friedens und der Ruhe gewonnen, einer Ruhe, die nicht leicht durch irgend ein äußeres Ereigniß mochte geſtört werden können.

Noch nicht lange hatte er in der Laube geſeſſen, ſo wurde von Neuem die Gartenthür geöffnet, und eine Dame, von einer Magd gefolgt, trat herein und ging geraden Weges auf die Laube zu. Sie war ziemlich groß, ſchlank und nicht minder ſorgfältig gekleidet, als der alte Herr, der vor ihr gekommen war. In Bei⸗ der Geſichtszügen fand man auf den erſten Blick eine deutlich ausgeſprochene Familien⸗Aehnlichkeit, nur war die Dame zarter und bläſſer, als ihr Bruder, der ſie jetzt mit freundlichem Kopfnicken begrüßte.

Ich denke, wir eſſen im Garten, lieber Valentin,« ſagte ſie.Die Luft iſt ſo köſtlich erfriſchend, daß

man es in den heißen Zimmern nicht aushalten kann.

Was meinſt du?«

Ich bin ganz einverſtanden, Marianne, erwiederte der Bruder.Die Sonne geht eben erſt unter, da können wir füglich noch ein Stündchen im Freien ver⸗ weilen.«.

So decke hier, Liſette, wendete ſich die Schweſter freundlich zu der Magd.

Dieſe nickte, und verſchwand raſch, um bald dar⸗ auf mit blendend weißem Tiſchtuche, mit blank geputz⸗ ten Tellern, Meſſern und Gabeln zurückzukehren. Ein