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Jung gewohnt, alt gethan : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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lernen. Die Leutchen mögen vielleicht ihre Wunderlich⸗ keiten haben, das kann wohl ſein, aber weit überwiegend ſind doch die anderen trefflichen Eigen⸗ ſchaften, die ſie zu dem gemacht haben, was ſie ſind, nämlich: zu den von ihren Mitbürgern vielleicht am höchſten geachteten Einwohnern ihrer Vaterſtadt. Ein herrlicher Sommer⸗Abend voll erquickender Friſche war inem Tage drückender Hitze und Schwüle gefolgt. Die Blumen im Garten hauchten die ſüßeſten Düfte, und die glänzenden Farben ihrer Blüthen leuch⸗ teten wie verklaͤrt im Glanze des Abendrothes, das den ganzen Himmel mit ſeinen leichten, langſam ſchwe⸗ benden Wölkchen goldig und purpurn überſponnen hatte. Die Gartenthüre wurde geöffnet, und ein kleiner ält⸗ licher Herr von zierlicher Geſtalt und mit großer, faſt ängſtlicher Sauberkeit gekleidet, betrat die mit feinem Kies beſtreuten Gartenwege, und ging mit langſamen Schritten darin auf und nieder, von einem Blumen⸗ beete zum andern, bis er zuletzt ſich zu einer mit reich blühendem Geisblatt ganz umſponnenen Laube begab, in welcher ein zierlicher Tiſch mit eben ſo zierlichen ei⸗ ſernen Gartenſtühlen aufgeſtellt war. Hier nahm er Platz, rückte den Stuhl ſo, daß er durch den Eingang der Laube faſt den ganzen Garten mit ſeiner Fülle von Blumen überſchauen konnte, uno blickte ſtill ſinnend und träumend auf die vor ihen ausgebreitete Blüthen⸗ pracht hinaus. Das Geſicht des alten Herrn, obgleich es von der Hand der Zeit nicht unber hrt geblieben war, hatte trotzdem noch viel Anſprechendes und Gewinnendes. Der Ausdruck deſſelben war zugleich ſanft und klug, ſanft, wenn man den wohlgeformten Mund, klug, wenn