——
117
abwechſelnd an ſeinem Bette, und zuweilen löste ſie auch Leonhard ab, wenn Frau Engelbert etwa durch dringende Arbeiten einma! ehindert wurde.
Mehrere Tage lang dachtete Herr Rempelmeier ſtillſchweigend das ſanfte, zer aſchloſe, aber immer liebe⸗ volle Walten ſeiner Berwanndeen 8. die er, wie er ſich recht gut wieder erinnerte, ſo art und ſchnöde behan⸗ delt hatte. Er ſprach kein Wort zu ihnen, aber deſto mehr ſchien er über ſie nachzudenken and eine voll⸗ ſtändige Umwandlung ging allmänig in ſeinem ganzen inneren Weſen vor. Am fünfte, oder ſechsten Tage nach ſeiner beginnenden Wiedergen ung, als Wilhelm zufällig einmal gerade abweſend war, brach er endlich ſein Schweigen gegen den Doktor und ſeinen alten Freund Wunderlich, und fragte, ob Wilhelm und ſeine Mutter ihn während ſeiner ganzen Krankheit gepflegt hätten? Beide bejaheten natuͤrlich dieſe Frage, und Herr Rempelmeier warf einen ſeltſamen Blick auf die beiden Käſtchen, die noch immer auf dem kleinen Tiſche neben ſeinem Bette ſtanden. Dann verſank er wieder in ein grübelndes Sinnen und Nachdenken, aus dem ihn aber der Doktor wieder erweckte.
„Ja, Herr Rempelmeier,“ ſagte er,„es war die treueſte Pflege, die ich noch je an einem Krankenbette beobachtet habe, und Sie können mir auf's Wort glau⸗ ben, daß Sie ohne eine ſolche Pflege ſchwerlich wieder
geneſen ſein würden.“
„Hm! Alſo Vermöͤgen und Leben gerettet!« mur⸗ melte Herr Rempelmeier vor ſich hin.„Und das, nach⸗ dem ich...! Das iſt viel! Hätt' es nie gedacht, nie⸗ mals!“


