Von dem großen Flur des Hauſes, der in früheren Zeiten zu einer Niederlage von Waaren gedient haben mußte, trat man in einen kleinen Laden, der dem alten Schuhflicker zur Werkſtätte diente. Hier ſah es nun bunt genug aus, und es ſtanden und lagen ſo viele verſchiedene Sachen umher, daß man kaum Platz zum Umdrehen hatte. Dicht am Fenſter befand ſich ein kleiner Tiſch mit einem dreibeinigen Schemel davor. Auf dem Tiſche lagen Pfriemen, AÄalen, Meſſer, Hämmer und allerlei altes Schuh- und neues Lederwerk durch ein⸗ ander, und von der Decke herunter hing eine große Glaskugel darüber, die Meiſter Leonhard Abends ge⸗ brauchte, um ſich helles Licht zur Arbeit zu verſchaffen. Vor dem Tiſche auf dem Schemel ſaß er vom erſten Tagesgrauen an bis Abends ſpät, und flickte Stiefeln und Schuhe, denn obgleich er nur ſelten in die Ver⸗ legenheit kam, neue Arbeit liefern zu müſſen, fehlte es ihm doch nicht an anderweitiger Beſchäftigung. Der alte Leonhard arbeitete dauerhaft und billig, und die Arbeitsleute, die Auflader, die Packknechte, die Ecken⸗ ſteher in der umliegenden Gegend kannten dieſe Tugenden des Alten von langer Zeit her, und erhielten ihm ihre Kundſchaft. Dabei verdiente der alte Leonhard ſein tägliches Brod, und wohl auch noch Manches darüber, denn die Hökerfrauen vor dem Hauſe munkelten ſo Mancherlei, und Lieschens Mutter behauptete ſogar ſteif und feſt, daß der alte Leonhard ein hübſches rundes Sümmchen in der Sparkaſſe auf's Trockene gebracht haben müſſe. Es mochte ſeine Richtigkeit haben, aber wer konnt' es beweiſen? Die häusliche Einrichtung und das einfache, ſtille Leben des alten Burſchen ließ nicht vermuthen, daß er große Schätze geſammelt haben
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In demselben Hause! : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
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