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In demselben Hause! : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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wären.

Die Dienſtleiſtungen Wilhelms waren alſo weder ſehr ſchwierig, noch ſehr zeitraubend, und er ſowohl wie ſeine Mutter fanden ſie durch die freie Wohnung im Hauſe zur Genüge bezahlt. Herr Rempelmeier hätte ſich dreiſt bei ihnen zeigen können: keinem von Beiden wäre es eingefallen, ihn um ein Geſchenk anzuſprechen. Frau Engelbert arbeitete lieber, als daß ſie bettelte; und Wilhelm dachte überhaupt gar nicht daran. Ihm fehlte und mangelte ja nichts. Er war an Armuth gewöhnt, kannte nichts Beſſeres, und verlangte nichts Beſſeres. Wenn er Morgens ein Stück Brod, Mittags eine warme Suppe und Abends wieder ein Stück Brod

hatte, ſo war er zufrieden und in ſeinem Gott vergnügt.

Auch mangelte ihm wirklich die Zeit, viel über ſeine und ſeiner Mutter Lage nachzudenken. Wenn er für Herrn Rempelmeier geſorgt hatte, mußte er in die Schule gehen oder ſeine Schularbeiten zu Hauſe im Dachſtübchen machen, und nur die Abende und Sonn⸗ tage waren von dieſen Beſchäftigungen frei. Aber dann plauderte er entweder mit ſeiner Mutter, oder, wenn dieſe irgend eine Abhaltung hatte, ſo ſchlüpfte er die Treppe hinunter zu Meiſter Leéonhard, dem alten Schuh⸗ flicker und Junggeſellen, der das Erdgeſchoß des Hauſes bewohnte, und ließ ſich von ihm etwas erzählen.

Das waren köſtliche Stunden für Wilhelm, dieſe Stunden, die er bei dem Meiſter Leonhard zubrachte. Der alte Junggeſell hatte Viel erfahren in ſeinem langen Leben, und er plauderte gern mit Wilhelm, deſſen offenes zutrauliches Weſen ihm von Anfang an wohl⸗

ihm unter allen Umſtänden höchſt unangenehm geweſen

gefallen hatte. Leonhards Wohnung war eng und klein. 1