19
den Vorſchlag ein, zu ihrem Vetter Rempelmeier in's Haus zu ziehen, denn ſie berückſichtigte, daß, ſo ärm⸗ lich auch die ihr angebotene Wohnung ſein mochte, doch wenigſtens keine Miethe dafür zu bezahlen wäre, und in die Launen und Eigenthümlichkeiten des Herrn Vetters hoffte ſie ſich ſchicken zu lernen, wie ſie ſich in ſo Manches geſchickt und gefügt hatte. Und im Uebrigen,— große Anſprüche konnte ſie ja nicht machen, und machte ſie nicht. Das Wenige, was ſie für Herrn Rempelmeier zu thun hatte, war alltäglich bald beſorgt, und es blieb ihr beinahe der ganze Tag übrig, wo ſie, wie ſonſt, ihre Arbeiten verrichten konnte. Außerdem ſtand Wilhelm in manchen Stücken ihr treulich zur Seite, und bald brauchte ſie ſich faſt gar nicht mehr um Herrn Rempelmeier zu bekümmern. Die kleinen Dienſtleiſtungen für ihn beſorgte der Knabe. Mit Tages Anbruch ſtand er auf, holte das Frühſtück für den geſtrengen Herrn Vetter, das in nichts weiter als einem Dreierbrödchen aus dem nächſten Bäckerladen und in einer Flaſche friſchen Waſſers beſtand, und im Winter machte er Feuer in dem einzigen Ofen an, den der Herr Vetter heizen ließ. Mittags lief er nach der Garküche, und holte für zwei Groſchen, die immer bereit lagen, Gemüſe und Fleiſch zur Mittagsmahlzeit, trug eine Stunde darauf das Geſchirr wieder fort, und nun war er für den ganzen Tag fertig mit Herrn Rempelmeier, den er übrigens nie zu ſehen bekam, weil er nur in das Vorzimmer treten durfte, wo Jener nie erſchien, außer wenn Wilhelm ſchon fort war. Herr Rempelmeier glaubte ſich noch immer von Frau Engel⸗ bert bedient, und machte ſich ſtets unſichtbar, um etwaigen Betteleien aus dem Wege zu Behen, die


