21
der hoch oben in der blauen Luft mit weit ausgebrei⸗ teten Schwingen ſeine Kreiſe zog, und von Zeit zu Zeit einen gellenden Schrei ertönen ließ, welcher die zahlreichen kleinen Singvögel ſo in Schrecken verſetzte, daß ſie einige Augenblicke ihr Geſangs⸗Concert ver⸗ ſtummen ließen und ſich unter den dichteſt belaubten Zweigen verbargen;— bald einen Fuchs, der mit ge⸗ ſenkter Ruthe einen ſchielenden Blick auf Felix werfend, nach den nächſten Büſchen ſchlich;— endlich den mur⸗ melnden Bach, deſſen glänzende Oberfläche tauſendfach die Strahlen der Sonne wiederſpiegelte, und wie mit blitzenden Diamanten beſäet ſchien.
Felix erreichte eine Brücke, ging aber nicht dar⸗ über, ſondern ſchlenderte am dieſſeitigen Ufer des Baches weiter bis zu einer zweiten Brücke. Auch an dieſer wollte er vorüber gehen, als er, aufblickend, jenſeits derſelben einen hohen, mit glänzend rothen Blüthen bedeckten Blumenſtengel bemerkte, der ſeinen Gedanken eine andere Richtung gab. Die Blume reizte ihn ſo, daß er ſie zu beſitzen wünſchte, und ſorg⸗ los betrat er den Steg, ohne demſelben irgend welche Aufmerkſamkeit zu widmen. Sultan befand ſich etwa zwanzig Schritt hinter ihm, und bellte an einen Baumſtamm hinauf, in deſſen Zweigen ſich irgend ein Thierchen verſteckt haben mochte.
Zur Hälfte bereits hatte Felix den Steg über⸗ ſchritten, da, plötzlich wich derſelbe vom jenſeitigen Ufer aus ſeiner Lage, und ſtürzte mit dem Knaben polternd und plätſchernd in das tiefe reißende Waſſer hinab. Vergeblich machte Felix noch im letzten Augen⸗ blicke den Verſuch, durch einen kühnen Sprung das Ufer zu gewinnen. Seine Kräfte reichten dazu nicht


