107
ſie ohne Verletzung das unten auf dem Waſſer ſchau⸗ kelnde Boot glücklich erreichte. Hurtig griff ſie nach dem Ruder, um ihren Nachen dem Lande zuzutreiben, als plöͤtzlich ein rauhes„Halt!“ in ihr erſchrecktes Ohr tönte und zugleich ein anderes leichtes Boot um einen Felſenvorſprung herum auf ſie zuſchoß.
„Halt!“ wiederholte die Stimme.»Wer biſt du, und was ſuchſt du an dieſem Orte?«
„Laßt mich!« erwiederte Martha tödtlich erſchrocken. „Ich will fort von hier!«
„Nicht von der Stelle!“ rief die barſche Stimme. „Hurtig, Leute, entert den Kahn! Wir müſſen ſehen, wer Nachts an dieſer Stelle umherſpionirt! Es ſcheint ohnehin oben nicht Alles richtig zu ſein!«
Im Nu war das Fahrzeug Martha's geentert und zwei oder drei Mann ſprangen an Bord deſſelben, um ſich ſeines Führers zu bemächtigen.
„Es iſt ein Mädchen— und nur ein Kind noch!« ſagte Einer von den Männern.„Sollen wir ſie los⸗ laſſen, Steuermann?“«
„Nein— ſie muß zu Kapitän Ramberg gebracht werden,“ erwiederte die erſte Stimme, welche alſo dem Steuermanne eines Schiffes angehörte.„Haltet ſie feſt, wenn ſie ſich ſtraͤubt oder ſonſt Widerſtand leiſtet!«
Martha hatte Mühe, einen Schrei zu unterdrücken, der ſich auf ihre Lippen drängte— aber dies Mal wäre es nicht ein Schrei des Schreckens, ſondern der freudigſten Ueberraſchung geweſen.
„Steuermann Vollbrand,« rief ſie aus—„dem Himmel ſei Dank, daß Ihr da ſeid!“
„Was? Die Kleine kennt meinen Namen? Wer biſt du denn?«*—
d


