Druckschrift 
Furchtlos und treu : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

96

niſch lächelte Sybrand vor ſich hin, als er im Geiſte die Bilder ſeiner Rache ſich ausmalte, deren letztes ihm den gehaßten Feind am Stricke baumelnd am Galgen zeigte..

Bis gegen Mitternacht hin wachten unten die Ar⸗ men, die ſich ſo geborgen und ſicher glaubten. Endlich ſprach Heinrich die Worte:In dieſer Nacht gewiß nicht mehr!« und nun ſtanden Alle auf, um in das unterirdiſche Gewölbe zurückzukehren. Sybrand ſchaute wie ein Luchs, mit brennenden Augen, um noch den geheimen Zugang nach unten kennen zu lernen. Er ſah, wie Heinrich gegen den Stein drückte, der die Thür öffnete und nun war ihm auch das letzte Geheimniß enthüllt, welches bei dem raſchen Angriffe, den er im Plane hatte, noch eine Verzögerung hätte herbeiführen können. Heinrich verſchwand mit ſeinen Begleitern durch die geöffnete Pforte; ſie ſchlug wieder zu, und tiefſte Ruhe, geheimſtes Schweigen heerrſchte nun in dem verlaſſenen Thurmgemache.

Aus voller Bruſt aufathmend richtete Sybrand ſich in die Höhe. Er fühlte nicht Hunger, nicht Durſt, nicht Schwäche mehr, nur das brennende Verlangen nach Rache an Heinrich und niedrige Habgier erfüllten ihn. Seinen Poſten verlaſſend, kletterte er an der Außenſeite des Thurmes hinab, und flog mit ſchnellen Schritten den Pfad zum Riffe hinab. Alle Umſtände ſchienen ihm Glück und Gelingen ſeiner verrätheriſchen Abſicht zu verheißen. Die Ebbe dauerte noch wenig⸗ ſtens zwei Stunden; der Mond ſchien hell auf den weißen Sand der Düne und das Riff, ſo daß der Uebergang ohne Gefahr bewerkſtelligt werden konnte; und außerdem hielt Kapitän Danville zwanzig Mann