95⁵
glück noch außerdem die geheime Thür offen ſtehen laſſen. Sie ſaßen im Geſpräch bei einander, und Sy⸗ brand erblickte ſie und die geöffnete Pforte beim erſten Blicke, den er in das Gemach hinunter warf. Dies war der Grund ſeiner plötzlichen und heftigen Ueber⸗ raſchung, die im erſten Augenblicke ihm faſt alle Be⸗ ſonnenheit raubte.
Nachgrade faßte er ſich wieder. Sein Athem, der anfangs vor wildem Entzücken faſt geſtockt hatte, ging wieder ruhiger, und der erſte, überwältigend freudige Schrecken machte einem innerlichen triumphirenden Jubel Platz. Er beugte ſich wieder zu ſeinem Lugloche hin⸗ unter und ſah eben noch zu rechter Zeit, wie Heinrich die geheimnißvolle Thür zudrückte. Jeden Stein der⸗ ſelben und ihre Lage, ihr Verhältniß zu einander prägte Sybrand ſeinem Gedächtniſſe ein und lauſchte nun ruhiger dem Geſpräche, das Heinrich unten mit den beiden Männern führte. Indeß, er konnte nur einzelne Worte verſtehen, die keinen Zuſammenhang hatten. Zwar brachte er ſtatt des Auges ſein Ohr an die Oeff⸗ nung;— aber auch das nützte nichts, denn in der gewoͤlbten Decke vermiſchten ſich die Töne mit einander und nur ein verworrenes Geräuſch wurde oben ver⸗ nehmbar. Aber dies bedauerte Sybrand kaum. Ge⸗ nug, er kannte nun das Geheimniß, kannte den Zu⸗ fluchtsort des Mannes, auf deſſen Kopf ein hoher Preis geſetzt war, und dies genügte ihm. Heinrich, den er ſo ſehr haßte, war in ſeiner Gewalt, denn er hatte ſich des Hochverraths ſchuldig gemacht, indem er einem vom Geſetze verurtheilten und mit Steckbriefen verfolgten Verbrecher Schutz und Zuflucht gegeben hatte. Auf ein ſolches Vergehen ſtand Todesſtrafe, und höh⸗


