9²
flog Sybrand auf ſeinen ſo lange behaupteten Poſten zurück. Die vorher noch brennende Lampe war ausge⸗ löſcht— es war ſtockfinſter im Thurme— Sybrand konnte nichts mehr ſehen.
Wie er wüthete, wie er ſich ſelbſt und die Ver⸗ nachläſſigung ſeiner Wachſamkeit verwünſchte! Un⸗ zweifelhaft war Heinrich aus ſeinem Verſtecke hervor⸗ gekommen, hatte die Lampe ausgelöſcht und ſich in's Freie begeben! Noch fünf Minuten länger auf der Lauer, und Sybrand hätte Alles gewußt! Jetzt war die lange Nachtwache, das Ertragen aller Beſchwerden vergebens geweſen, und Sybrand durfte ſich noch oben⸗ ein nicht blicken ziſſen, ſondern mußte wie ein Gefan⸗ gener auf dem Thurme aushalten, wenn er nicht ſeinem Feinde in die Hände fallen wollte, was er eben ſo ſehr fürchtete, als den Tod.
Eine Zeitlang gab Sybrand ſich der Hoffnung hin, daß Heinrich die Ruinen verlaſſen und an's Land gehen werde, und in dieſem Falle hätte er doch entwiſchen, ebenfalls das Ufer gewinnen, ſich mit Nahrungsmitteln, an denen es ihm gänzlich fehlte, verſehen, und Nachts
heimlich wieder auf ſeinen Poſten ſchleichen können;—
aber Heinrich dachte nicht entfernt daran, die Hoffnung ſeines lauernden Feindes zu erfüllen. Er ſetzte ſich ruhig auf den äußerſten Vorſprung der Klippe, wo man die freieſte Ausſicht in das offene Meer hinaus hatte, ſaß hier Stunden lang, ſchaute nachdenklich in die Weite, und erhob ſich erſt gegen Abend wieder, um in den Thurm zurückzukehren.
Sybrand, welcher mittlerweile in peinlicher Angſt vor Entdeckung geſchwebt und ſchreckliche Qualen von Hunger und Durſt erlitten hatte, ſchöpfte jetzt wieder


