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Furchtlos und treu : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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Luft war kühl und durchkältete ihn bis auf die Kno⸗ chen er fuͤhlte es kaum und ertrug es mit eiſerner Geduld; ein Regenguß ſtrömte auf ihn nieder und durchnäßte ſeine Kleider er ertrug Näſſe und Kälte und wich nicht von ſeinem Poſten. Die Nacht ſchwand dahin; der Morgen dämmerte; der Tag erſchien; die Sonne ſtieg auf in glänzender Pracht Sybrand regte ſich nicht und ſchaute unverwandt in die Tiefe! Der Mittag kam heran, die Sonne ſchien hoch zu dem Thurme hinein und wärmte die naßkalten, erſtarrten Glieder Sybrands und jetzt erſt richtete er ſich aus ſeiner unbequemen Stellung auf und murmelte einen leiſen Fluch zwiſchen ſeinen Lippen.

In allen ſeinen Erwartungen war er betrogen wor⸗ den. Als Heinrich während der Nacht nicht wieder erſchien, hatte er ſich mit dem Gedanken vertröſtet: ganz recht; er hat kein Obdach mehr, da wir ihm ſeine Hütte niedergebrannt haben, alſo wird er in ſei⸗ nem verborgenen Verſtecke ſchlafen. Als der Morgen weiter und weiter vorrückte, hatte er gedacht: er wird lange aufgeblieben ſein und will ausſchlafen, man muß warten, bis ihn der helle Tag erweckt. Jetzt aber, wo der Mittag da war, wo Heinrich längſt aufgewacht ſein mußte, wenn er nicht wie ein Murmelthier ſchlief, jetzt fing Sybrand an zu fürchten, daß der Thurm wohl nur einen geheimen Ausgang haben könne und daß Heinrich geſtern Abend ſchon durch dieſen ent⸗ ſchlüpft ſei. Aus dieſem Grunde ſtieß er häßliche Flüche und Verwünſchungen aus, und ſtand auf, um vom Thurme wieder herabzuſteigen, als ganz unerwar⸗ tet Heinrich auf dem Felſen erſchien und augenſcheinlich eben erſt aus dem Thurme getreten war. Blitzſchnell