fünfzehntes Jahr zurückgelegt haben— eine gewiſſe
Feſtigkeit und Entſchloſſenheit ausprägte. Sein helles,
blaues Auge hatte einen offenen, geraden und kühnen Blick; ſeine Geſtalt, obgleich ſchlank und geſchmeidig, verrieth doch zugleich auch Gewandtheit und Kraft, und ſein ganzes Weſen hatte etwas Keckes und zugleich Gefälliges, ſo daß man ihn nur mit Vergnügen be⸗ trachten konnte.
3»Martha!“ rief der Knabe, rückwärts gewendet,
jetzt plötzlich in die Hütte hinein.
„Was iſt, Heinrich?« ertönte eine helle Stimme
urück.
»Alles gut, Martha! Strand und See klar— ich werde gehen, es iſt Zeit.“
Er ſprach noch die letzten Worte, als ein hübſches Mädchen, kaum ein Jahr jünger als der Knabe, neben dieſen vor die Hütte trat und ihre Hand auf ſeine Schulter legte. Die Aehnlichkeit der Beiden war un⸗ verkennbar— auf den erſten Blick konnte man erra⸗ then, daß Martha die Schweſter Heinrichs ſein müſſe. »Aber, wer weiß,“ ſagte ſie,„ob es ſchon Zeit iſt? Gysbert kann doch kaum ſchon zurückkehren, und ich ſeh' es gar nicht gern, wenn du auf das alte Schloß gehſt.«
.»Ah, du fürchteſt dich vor den Geiſtern!« erwie⸗ derte der Knabe lächelnd.„Aber ſei unbeſorgt— mir thun ſie nichts, ich kenne ſie zu gut.«
»„Ich weiß wohl, weiß es wohl,“ entgegnete Martha raſch.„Die Geiſter fürchte ich nicht, aber die Doua⸗ niers. So oft du gehſt, bin ich in Furcht, daß ſie dich überraſchen, gefangen nehmen und fortſchleppen! Du biſt nicht ſicher! Es iſt ſchon Anderen geſchehen, und


