Druckschrift 
Furchtlos und treu : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

gerieth. Tiefer und immer tiefer ſank er in den feuch⸗ ten, lockeren Sand ein, ſein keuchendes Ringen und Kämpfen, das vielleicht nahe Rettungsufer zu gewinnen, ermattete ihn nur bis zur Ohnmacht, Zoll um Zoll verſchwand ſein zitternder Leib in das geöffnete Grab, und faſt war es noch ein Glück zu nennen, wenn die wiederkehrende, ſteigende Meeresfluth ſeinem entſetzlichen Todeskampfe ein raſches Ende bereitete.

Die Bewohner der umliegenden Gegend kannten die Gefahr und vermieden ſte. Nur waghalſige oder des ſicheren, feſten Weges ganz genau kundige Men⸗ ſchen betraten zuweilen den tödtlichen Pfad nach den Trümmern des Schloſſes, deſſen Inneres auch nur ihnen allein ganz genau bekannt war. Die Sage ging, es ſeien dort tiefe unterirdiſche Gänge und Gewölbe, mit reichen Schätzen angefüllt, welche die alten Herren und Gebieter des Schloſſes von ihren weiten, kriegeri⸗ ſchen Seezügen als gute Beute mit heimgebracht und dort in den feſten Gewölben aufgehäuft hätten. Aber die Schätze ſeien von böſen Geiſtern bewacht, und Ver⸗ derben drohe einem Jeden, der mit vermeſſener Kühnheit die Hand danach ausſtrecken würde.

Dieſe alte Sage, welche von Geſchlecht zu Geſchlecht fortvererbt war, wurde von mancherlei geheimnißvollen Erſcheinungen unterſtützt. Von offener See in ihrem Boote Nächtens heimkehrende Schiffer wollten von Zeit zu Zeit den Schein von Lichtern oben zwiſchen den düſteren Ruinen geſehen und das dumpfe Getöſe von Stimmen gehört haben, deren Ton, vom Winde getra⸗ gen, weit uͤber das Meer gehallt ſei. Andere behaup⸗ teten, es liege zuweilen ein großes Schiff mit gerefften Segeln dunkel und regungslos auf dem Waſſer der

*