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„Sie haben Nachricht von meinem Knaben!“ rief ſie.„Ich fühle es, ich leſe es in Ihren Augen, die von Innigkeit überquellen. Sie ſind zu gütig, um mich mit trügeriſchen Hoffnungen zu foltern. Er lebt! Sprechen Sie es aus! Oh, Vater, nicht dieſe falſche Schonung! Das Herz einer Mutter iſt ſtark! Reden Sie, oder die Spannung tödtet mich! Richard, mein Sohn, mein Sohn!’
Richard, der mit ſeinem Großvater gekommen war, ſtand im Vorzimmer, und ſein Herz pochte vor unge⸗ duldiger Erwartung, denn er ſollte nun ja endlich, endlich, nach ſo langer Trennung, ſeine Mutter, ſeinen Vater, ſeine Schweſter wiederſehen. Als er ſeinen Namen ſo leidenſchaftlich rufen hörte, wartete er nicht länger auf das mit ſeinem Großvater verabredete Zei⸗ chen zum Eintreten, ſondern ſtürzte in das Zimmer.
„Mutter, theure Mutter!“
Das waren die einzigen Worte, die ſeine Aufre⸗ gung ihn hervorbringen ließ, aber es lag in ihnen ein Zauber, der in dem Mutterherzen den lange ſchlum⸗ mernden Wiederhall hervorrief. Im Nu hatten ihn ihre Arme umſchlungen, ihr Herz klopfte an dem ſei⸗ nigen, und ihre blaſſen Lippen preßten ſich auf die Wangen des Wiedergefundenen.
. Geraume Zeit wagten weder Vater noch Schweſter die Wonne des Wiederſehens zu ſtören; denn ſie fühl⸗ ten, daß es ein heiligeres Recht gab, als das ihrige: das der Mutterliebe. Doch Rahel vergaß ihrer nicht.
„Georg,“ ſchluchzte ſie, die Hand ihrem Gatten hinbietend,„unſer Sohn! Da iſt er, frei von Schande und Verbrechen! Marie, dein Bruder!“
Familiengeſchichte. 7


