„Nun, nun, nimm dir die Sache nicht zu ſehr zu Herzen,“ ſagte Herr Zollmüller beſchwichtigend.„Noch habe ich einige Hoffnung. Und horch, da ſcheint end⸗ lich mein alter Zeller zu kommen! Nichtig, er iſt es!«
Der alte Zeller trat haſtig herein und übergab ſei⸗ nem Prinzipal einen Brief, den dieſer zitternd eröffnete und mit den Augen überflog. Einen Moment hindurch ſchien ſeine Geſtalt zu ſchwanken, und ſeine Lippen beb⸗ ten, während ſein Geſicht erblaßte. Dann ſank er auf einen Stuhl, und ſagte mit matter Stimme:„Verloren! Ich bin ruinirt, ein armer, hülfloſer Bettler, der ſein Brod auf den Straßen ſuchen muß!“
Wie betäubt von einem furchtbaren Schlage ſtanden der alte Zeller und Jakob faſt eine Minute hindurch regungslos. Dann aber raffte ſich Jakob zuſammen, ſturzte zu den Füßen ſeines zweiten Vaters, und um⸗ klammerte ſeine Kniee.
„Nein, nein, nein!“ rief er aus,— Sie ſind kein Bettler, Vater! Noch bin ich da! Sie ſollen nicht auf den Straßen das Mitleid fremder Menſchen ſuchen. Was ich früher für die Meinigen gethan, kann ich es denn nicht wieder für Sie thun? Gott ſei Dank, mein alter Sultan lebt noch, und mein Wägelchen iſt auch noch da, und die Freunde in der Heimath ebenfalls! In vierzehn Tagen kann ich wieder mit Waaren ver⸗ ſehen ſein, und dann geht es wie früher friſch in die Welt hinaus! Muth, lieber Vater! Noth ſollen Sie nie leiden! Dafüͤr wird der liebe Gott ſorgen durch mich!“ „Wie?“ fragte Herr Zollmuͤller,— du wollteſt das wirklich thun? Wieder hauſiren gehen, um meine letzten Tage vor Mangel zu ſchützen?«


