—— 2
———
———
6
die Andere für unüberwindlich hielten, wußte er bei ſeiner kräftigen Geſchwindigkeit ſeines in allen Künſten des Bergſteigens geübten Körpers, und mit Hülfe ſei⸗ nes klaren, ſchwindelfreien Auges zu überwältigen, und ſelten zog er mit ſeinem Stutzen zur Jagd aus, ohne daß er mit einem feiſten Gemsbock auf den breiten Schultern zurückgekehrt wäre. Das brachte manches ſchöne blanke Zwanzig⸗Frankenſtück in's Haus, abge⸗ ſehen von dem Verdienſte des Winters, wo der fleißige Mann unermüdlich das Schnitzmeſſer führte, und immer neue, immer andere kleine Kunſtwerke aus ſeinen Hän⸗ den hervorgehen ließ, die dann der Händler in der Stadt mit Freuden in Empfang nahm, und dann, aller⸗ dings mit etwas geringeren Freuden, aber doch ohne weiteres Zögern und Feilſchen ebenfalls mit blankem Golde bezahlte.
Auch die Mutter verdiente manchen Batzen, indem ſie während der langen Wintertage nach beſorgten klei⸗ nen Wirthſchafts⸗Angelegenheiten am Webſtuhle ſaß, und die ſchönſten Seiden⸗Zeuge verfertigte, die ſpäter im Frühjahre an den Fabrikanten in der Stadt abge⸗ liefert und leidlich bezahlt wurden. Der junge Jakob
half dem Vater beim Holzſchnitzen, indem er die ver⸗
ſchiedenen Gruppen aus dem rohen Holze ſo im Gro⸗ ben ein wenig zurecht ſchnitt, was dem Vater immerhin die Arbeit förderte und ihm Zeit erſparte; und die kleine Marianne endlich ſaß ſtille am einfach gezimmerten Tiſche, lernte ihre Schulaufgaben, oder ſah den fleißigen und geſchickten Händen ihres Vaters und Bruders zu, oder lauſchte aufmerkſam und geſpannt, wenn der Vater von den Abenteuern bei der Gemsjagd erzählte, und die Gefahren und Schrecken ſchilderte, welche den ver⸗


