Druckschrift 
Der Bekehrte : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

87

Wie große und viele Seelenqual würde mir erſpart geweſen ſein!

Aber auch ſo, auch jetzt beklagte ich nicht, daß es ſo geweſen war. Grade, weil ich ſo viel gelitten hatte, mehr, als Worte auszuſprechen vermögen, grade deß⸗ halb drang jedes Wort göttlicher Tröſtung und Ver⸗ heißung um ſo tiefer in meine Seele. Ich erkannte, daß Gott meine Seele durch Leiden geläutert und in fruchtbaren Boden verwandelt hatte, damit die Saat des göttlichen Heiles um ſo beſſer Wurzel faſſen und gedeihen konnte, und mein Dank dafür war manch ein heißes, inniges Gebet, das aus der Tiefe meines

Herzens zu dem Höchſten aufſtieg, war die völlige Um⸗ wandlung meines ganzen inneren Menſchen, waren die heiligen Vorſätze, die ich faßte, um in Zukunft ein anderes, ein beſſeres und gottesfürchtigeres Leben zu führen, als ich es, leider! früher geführt hatte. Durch t war ich zum Lichte gekommen, zu irdiſchem was tauſend Mal mehr werth war, zu mmliſchen Lichte, das nie und nimmer wie⸗ meiner Seele erlöſchen konnte. Jetzt betrach⸗ die in meinem finſteren Kerker verlebten dü⸗ tunden nicht mehr als ein Unglück, ſondern hr als ein Glück, das mir durch Gottes gnädige ge zu Theil geworden war, und ich ſegnete rgangenen Leiden, ohne welche ich vielleicht nie⸗ zur beſſeren Erkenntniß meines Gottes und Hei⸗

gekommen wäre. ine durch hgreifende, vollſtändige Umwandlung war einigen Tagen, die ich andächtig dem Leſen der gewidmet hatte, mit mir vorgegangen. Wie ppen fiel es von meinen Augen, und ich erkannte