ſchlug es auf, und traf grade auf die Bergpredigg, Chriſti, in welche ich mich, nachdem ich kaum einig Zeilen geleſen hatte, ſofort auf das Innigſte vertiefte.
Das Licht, welches von oben her durch die Spaltè. in mein Amphitheater fiel, gewährte mir grade genug Helligkeit zum Leſen. Es war ein ſchwaches, aber koſtbares Licht für mich, der ich ſo lange in Finſter⸗ 4 niß geſchmachtet hatte! Aber wie geringfügig erſchien es mir ſehr ſchnell gegen dasjenige Licht, das ich bald aus dem heiligſten der Bücher ſchöpfte, und das mit mächtigen Strahlen die Finſterniß meiner Seele und meines Geiſtes erhellte!
Welch ein Licht war dieſes Licht, das Licht Gottes und Chriſti, unſeres Erlöſers!
Nachdem ich angefangen hatte, las ich weiter und weiter in dem heiligen Buche, und je weiter ich las, deſto mehr ſchwanden die Schatten, welche bisher mein Innerſtes mit ſtarrer Dunkelheit umnachtet hat⸗ ten. Und dieß war kein Wunder. Ich verſtand jetzt, was ich las, ich verſtand, was früher nur als ein leerer Schall an mir vorüber gegangen war. Und daß ich es verſtand, verdankte ich den Tagen und Stunden furchtbarer Leiden, welche ich in körperlicher Finſterniß hatte verbringen müſſen. Wie viel leichter würde ich dieſe überwunden haben, wenn damals ſchon das göttliche Licht in meiner Seele entzündet ge⸗ weſen wäre! Wenn ich gewußt hätte, daß über uns ein Vater lebt und waltet, ohne deſſen Willen kein Haar von unſerem Haupte fällt! Wenn ich das ge⸗ wußt, wenn ich daran gedacht, wenn ich es empfun⸗ den und auf dieſen himmliſchen Vater vertraut hätte.


