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und meinen unbändigen und wilden Charakter zähmte. Trotzdem aber war ich noch keineswegs eigentlich ge⸗ beſſert. Meine Außenſeite zwar hatte eine gewiſſe Politur im Verkehr mit einer reichen und gebildeten Familie erhalten; die Innenſeite dagegen war um nichts, oder doch nur um ein ſehr Geringes gebeſſert worden. So hatte ich, um nur Eines, das Allerwich⸗ tigſte, anzuführen, trotz des Religions⸗Unterrichtes, den ich vom Pfarrer in Altona erhielt, keine Spur wirklicher Religioſität in meinem Herzen; Gott, Chri⸗ ſtus, Erlöſer, waren mir nur Worte, mit denen ich keinen Begriff, und noch viel weniger eine richtige Er⸗ kenntniß zu verbinden vermochte. Ich lernte zwar viele Bibelſprüche und Geſangbuchverſe auswendig, aber der Inhalt derſelben war für mich rein nichts, als Gedächtniß⸗Sache;— in Fleiſch, Blut und Ge⸗ müth ging nichts davon über. Wenn ich aus der Re⸗ ligions⸗Stunde kam, wo ich mechaniſch mein Penſum hergeſagt hatte, ließ ich den lieben Gott eben einen guten Mann ſein, und dachte nie daran, mir die ewigen und erhabenen Eigenſchaften des göttlichen
Weſens im Geiſt und Herzen klar zu machen. Was
göttliche Liebe, göttliche Vorſehung, göttliche Barm⸗ herzigkeit ſei, davon hatte ich auch nicht entfernt eine Ahnung, ſondern lebte eben in den Tag hinein, ohne anderes Beſtreben, als das, mir die Stunden deſſelben ſo angenehm als möglich zu machen. Daß der Menſch Pflichten gegen Gott, ſeinen Nebenmenſchen und gegen ſich ſelbſt zu erfüllen habe, wurde mir freilich gelehrt; aber die Lehre ging zu dem einen Ohre hinein, und zu dem anderen wieder hinaus, und war einige Tage ſpäter total wieder von mir vergeſſen. Der Bekehrte.


