Junge, aber der herzlichen Einladung des alten Herrn und der Bitte ſeines Töchterchens konnte ich trotzdem keinen Widerſtand entgegenſetzen. Mit dem Verſpre⸗ chen, nächſter Tage wieder zu kommen und mich nach der Geſundheit des Papagei's und ſeiner kleinen Her⸗ rin zu erkundigen, nahm ich Abſchied. Die kleine Helene begleitete mich bis vor die Hausthüre und drückte mir dort noch einmal die Hand.
„Daß du ja Wort hältſt,“ flüſterte ſie mir zu. „Wenn du es nicht thäteſt, ſo würde ich dich für einen recht unartigen Jungen halten und ſehr traurig ſein.“
„Ich werde ſchon kommen,“ erwiederte ich.»Jetzt aber muß ich fort, denn der Herr Pfarrer wartet ſchon auf mich.“
Sie ließ mich gehen, und ich eilte im Doppelſchritt davon, da ich allerdings mehr Zeit verſäumt hatte, als hätte geſchehen ſollen. Der Herr Paſtor hielt mir eine Strafpredigt, als ich eine halbe Stunde zu ſpät kam, und hatte auch während das Unterrichts mehrere Male Gelegenheit, mir derbe Zurechtweiſungen wegen Unachtſamkeit und Zerſtreutheit zu ertheilen. Aber ich kümmerte mich wenig um ſein Schelten, denn ich hatte nur immer die kleine Helene im Sinn, deren freundlich zuthuliches Weſen mich ſeltſam angeſprochen und ſelbſt gerührt hatte.
Als die Unterrichtsſtunde endlich geſchloſſen wurde, lief ich ſpornſtreichs nach dem Hauſe der kleinen He⸗ lene zurück, um vielleicht ihres hübſchen Geſichtchens und ihrer freundlichen Augen heute noch einmal an⸗ ſichtig zu werden. Aber, obgleich ich ſorgfältig jedes Fenſter des Hauſes muſterte, konnte ich doch keine Spur von ihr gewahren, und mußte, halb betrübt,


