Sklavinnen herbeizurufen, und halb bewußtlos trug ich ſelbſt die erſtarrte kalte Hülle nach ihrem Zimmer zurück.
Endlich gelang es unſeren vereinten Bemühungen, da erlöſchende Leben wieder anzufachen und zurückzurufen. Das matte Auge aufſchlagend, blickte ſie ſcheu um ſich, und—„Ihr ſeid nicht bei ihm?« rief ſie mit ſchmerzlichem Vorwurf— „O, gilt ſein Leben Euch ſo wenig? Rettet— rettet doch, wo zuerſt— wo allein gerettet werden muß!«
„Er lebt! Gottlob, er lebt!“« ſtürzte im nämlichen Mo⸗ ment der treue Saheb in's Zimmer. Angſt und Sorge hatten ihn binnen der Zeit durch's ganze Haus getrieben, um es ge⸗ gen die Gefahr ſicher zu ſtellen. Jetzt kam er athemlos von. einem Dachfenſter zurück, wo der Pavillon ohne einiges Hin⸗ derniß überſehen werden konnte. Er hatte wahrgenommen, daß die Thüre des Häuschens und, ſoweit ſein Geſichtskreis reichte, auch jedes Fenſter deſſelben dicht geſchloſſen war; zum ſichern Beweiſe, wie er hinzuſetzte, daß ſein guter Herr die Annähe⸗ rung des Feindes frühzeitig genug inne geworden, um dieſe Maßregel der Vorſicht noch in's Werk zu richten.
„Ha— Hören Sie's, theure Freundin!“ rief ich, indem ich ihrem Ruhebette näher trat.—„Das darf Ihnen Leben
und Ruhe wieder geben; nur den erſten, unvorbereiteten Ueber⸗
fall des Unthieres hätte unſer Freund mit Recht fürchten müſ⸗ ſen. Jetzt hat er Zeit gehabt, ſich zu verſchanzen. Er wird ſich ſtill verhalten, und der Feind wird entweder ſeine Nähe nicht einmal ahnen, oder es doch nicht wagen, ſeine Bollwerke zu durchbrechen. Es iſt um eine Belagerung von Einer Stunde oder noch weniger zu thun, ſo zieht dieſe Anaconda ab, und wir Alle ſind mit dem bloßen Schrecken davon gekommen.“
Ich hatte wirklich vollen Glauben an dieſen Troſt, wo⸗ ich die Geängſtete zu beruhigen mich bemühte. Allein


