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Die Ansiedler am Strande : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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Er hieß Pierre Laſteck, und hatte ſich ſchon früh an dem Umſturze der franzöſiſchen Revolution bethei⸗ ligt, aber nur aus Stolz, Habſucht und überhaupt ſehr eigennützigen Beweggründen. Indem er ſich als ein Kämpfer für die Freiheit geberdete, dachte er ſtets nur an ſeinen eigenen Vortheil. Die ſogenannten Men⸗ ſchenrechte waren in ſeinen Augen nur die Rechte von Pierre Laſteck. Nach ſeinen Anſichten konnten die Rei⸗ chen nie genug gedemüthigt, in den Staub getreten und zermalmt werden, und er befand ſich immer an der Spitze der blutdürſtigen Schurken. Endlich ward er in eine Verſchwörung verwickelt, und in Folge von deren Entdeckung nebſt allen Mitſchuldigen verfolgt. Lange Zeit irrte er flüchtig umher, und kam bei ſeinen Verſuchen, der Gerechtigkeit zu entrinnen, auch in die Hütte unſerer Freunde. Später gelang es ihm, jede Spur von ſich zu verwiſchen, indem er ſeinen Namen wechſelte. Bei der Wiederkehr geſetzlicher Zuſtände un⸗ ter dem Conſul Napoleon wurde er Armee⸗Lieferant, verübte kühn die frechſten Betrügereien, und erwarb ſich dadurch ſchnell ein ziemlich bedeutendes Vermögen. Mit dieſem Vermögen wollte er ſich nun zurückziehen und, wie er ſich ausdrückte, ſein Alter noch genießen. Das Schloß von Rudolphs Grundherrn ſchien ihm für ſeine Zwecke geeignet, und er kaufte es, wie bereits oben erzählt wurde. Indeſſen hatten aber doch ſeine ſchlecht erworbenen Reichthümer die Augen der ſtrengen und gerechten Staats⸗Verwaltung auf ſich gezogen, und man ſuchte ſich ſeiner Perſon zu bemächtigen, um eine Unterſuchung einzuleiten. Aber Pierre Laſteck mußte Wind davon bekommen haben, denn als die Polizei⸗ diener das Schloß umzingelten, war der Vogel bereits