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bemerkte ich eine ziemlich tiefe Felſengrotte. Mit eini⸗ gen Veränderungen wird ſie uns gegen Froſt und Re⸗ gen ſchützen, und dort wenigſtens wird man uns ja wohl dulden.“
»„Gehen wir dahin!“« lautete der Beſchluß der un⸗ glücklichen Familie. Sie trugen ihre beſte Habe an das Ufer, packten
das Nothwendigſte in den Kahn, und deckten ein Se⸗
geltuch darüber. Es war wohl ein trauriges Schau⸗ ſpiel, ſo die Armen gegen ein widriges Schickſal kämpfen
zu ſehen, aber gewiß auch ein gutes Beiſpiel für Viele. Alle behaupteten einen gefaßten Muth, die Schweſtern
nicht minder, wie die Brüder, und die Mutter leitete dieſen zweiten Umzug mit der größeſten Umſicht. Wäh⸗ rend Rudolph ihnen ſeufzend Beiſtand leiſtete, lief Ju⸗ lius plötzlich in großer Eile herzu, und rief ſchon von weitem:„Vater, es gibt etwas Neues bei uns!«
„Und was?“«
„»Polizeidiener ſind da?«
„Was wollen Sie?«
„Ich weiß es nicht!“
»Nun denn,« ſprach Rudolph,„ich muß Erkundi⸗ gungen einziehen, aber bald, meine Freunde, werde ich wieder bei Ihnen ſein.“
NRudolph, der ſich ſchnell entfernte, konnte nicht ſo ſchnell zurückkehren, als er wünſchte. Um dieß zu er⸗ klären, müſſen wir ein wenig in die Vergangenheit zu⸗ rückgehen und mittheilen, wer der Fremde eigentlich war und was ihm begegnete, als er damals vor län⸗
gerer Zeit die gaſtliche Hütte der Bodry's verlaſſen
hatte.
eine Heimath für Heimathloſe. Bei unſerer Landung


