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Fünfunddreißigſtes Kapitel.
Der letzte Bufluchtsort.
Der Schmerz der armen Familie war tief und bit⸗ ter. Der ehrliche Rudolph eilte ſogleich herbei, und zeigte ſich nicht minder betrübt, als ſeine Freunde. Dieſe verloren ihr Aſyl, und er einen guten Herrn für einen ſchlimmen. Doch konnte man ihn eben nicht ſo ver⸗ treiben, wie die Bodry's, denn er war Pächter und hatte ſeinen Contrakt, und eben ſo wenig konnte man ihn verhindern, Gäſte nach Gefallen in ſein Haus auf⸗ zunehmen.
„Kommt, meine Freunde,“ ſagte er,— vkommt, und bleibt bei mir, bis wir eine andere Zuflucht für Euch gefunden haben.
Die Mutter reichte ihm die Hand, ſchüttelte aber den Kopf.„Das geht nicht,“ erwiederte ſte.„Es würde Ihren Gutsherrn aufbringen, und mit ihm dür⸗ fen Sie es nicht verderben. Unſere Anweſenheit miß⸗ fällt ihm. Wer ſich ſeiner Vergangenheit ſchämt, wird auch nicht gern von Anderen, die ſie kennen, daran er⸗ innert. Auch widerſtrebt es meinem Gefühl, ſelbſt nur eine Nacht unter dem Dache eines ſo undankbaren Menſchen zuzubringen.«
„Aber wohin wollten Sie gehen?“
„Wohin Gott mich führt!«
„Und ich, Mutter,“ ſagte Andreas,„ich weiß einen Ort, der ganz für Unglückliche, wie wir ſind, paßt—


